Referent*innen Update Klinische Pharmazie

Prof. Dr. med. Tom Bschor, Berlin

Antidepressiva

Abstract

Der Verschreibungsboom von Antidepressiva mit einer Versechsfachung der Verordnungen in den letzten 30 Jahren steht in einem gewissen Kontrast zu einer Responserate von lediglich 50 %, einem Placeboanteil an der Wirkung von 50 %, der Wirklatenz von 4 Wochen und der Tatsache, dass praktisch alle heutigen Antidepressiva auf Wirkprinzipien aus den 1950er Jahren zurückgehen. Der Vortrag erläutert, wie Antidepressiva dennoch leitliniengerecht so eingesetzt werden können, dass sie ein Optimum an Wirksamkeit entfalten. Anschließend wird die einzige zugelassene Neuerung der letzten Jahre, Esketamin-Nasenspray, bezüglich Evidenz und klinischem Einsatz vorgestellt und bewertet. 

Lebenslauf

Prof. Dr. med. Tom Bschor ist Facharzt für Psychiatrie und langjähriger Chefarzt zweier psychiatrischer Abteilungen in Berlin. Er hat eine Professur an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Dresden. Er ist verantwortlich für die Mitgestaltung der Nationalen Versorgungsleitlinie Unipolare Depression und der S3-Leitlinie Bipolare Störungen. Zudem ist er ordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Sprecher der AG Psychiatrie der AkdÄ und war von 2002 bis 2022 Vorstandsmitglied von IGSLI (International Group for the Study of Lithium Treated Patients).


Prof. Dr. med. Raja Atreya, Erlangen

Gastroenterologie

Abstract

Morbus Crohn (MC) und Colitis ulcerosa (CU) stellen die beiden Hauptentitäten der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) dar. Diese immun-mediierten Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes sind gekennzeichnet durch einen rezidivierenden und progressiven Verlauf. Die frühzeitige und optimierte anti-inflammatorische Behandlung ist für die betroffenen PatientInnen essentiell, da darauf die Wiederherstellung der Lebensqualität, Vermeidung von Krankheits-assoziierten Komplikationen und Modifikation des Krankheitsverlaufs beruhen. Der Vortrag soll einen Überblick über die aktuelle Therapielandschaft zur Behandlung der CED geben und wird insbesondere die Entwicklung zielgerichteter Therapien behandeln, welche zu einer erheblichen Verbesserung in der Versorgung der betroffenen PatientInnen geführt hat.

Lebenslauf

Prof. Dr. Raja Atreya ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Er studierte Humanmedizin an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und war dort auch als Assistenzarzt tätig. Weiterhin war er dort Post-Doktoranden Stipendiat im DFG geförderten Graduiertenkolleg „Antigenspezifische Immuntherapie“. 2010 wurde er als W1-Professor für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) und 2016 als W2-Heisenberg-Professor für translationale Immunforschung bei CED an die Medizinische Klinik 1 der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg berufen. Er leitet dort den Schwerpunkt CED und die Hochschulambulanz. Für seine Forschungsarbeiten wurde er unter anderem 2014 mit dem Theodor-Frerichs-Preis (Deutsche Gesellschaft für Innere       Medizin) und 2015 mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstädter-Nachwuchspreis (Paul Ehrlich-Stiftung) ausgezeichnet.


Prof. Dr. med. Nina Ditsch, Augsburg

Brustkrebs

Abstract

Das Mammakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. Die Behandlung konzentriert sich auf die lokale Therapie mit Operation und Strahlentherapie wie auch die Systemtherapie. Fußte letztere lange Zeit quasi ausschließlich auf Chemotherapie, so führten innovative Entwicklungen vor allem im systemtherapeutischen Bereich nicht nur zu einem signifikant verbesserten progressions-freien überleben, sondern oft auch zu einem klar überlegenen Gesamtüberleben. Als Beispiele seien Checkpointblockade, ADC (Antikörper­Drug-Konjugate), CDK4/6-lnhibitoren und PARP-lnhibitoren aufgeführt, deren erfolgreicher Einsatz in Studien zur Metastasierung wie auch in der frühen Situation zur Zulassung und letztlich zu einem festen Bestandteil der Therapie des Mammakarzinoms führte und im Fokus des Vortrags stehen.

Lebenslauf

Prof. Dr. med. Nina Ditsch ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit dem Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie und leitet das Brustzentrum des Universitätsklinikum Augsburg. Sie ist Mamma Senior Operateur nach OnkoZert und Brustoperateur der AWOgyn – Master of Senology. Prof. Dr. med. Nina Ditsch beschäftigt sich seit Berufsbeginn mit der Planung und Durchführung klinischer Studien zum Brustkrebs und der Betreuung von Studienpatientinnen. Ihre klinischen Schwerpunkte liegen sowohl im operativen Bereich als auch in der Systemtherapie von Brust- und anderen gynäkologischen Tumoren. Die unter ihrer Beteiligung entwickelten Empfehlungen zu Diagnostik, Therapie und prophylaktischen Maßnahmen genießen national wie international eine hohe Reputation. Ergänzend zu ihrer klinischen Tätigkeit wurde Prof. Ditsch im Jahr 2017 in die Leitlinienkommission der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onko­logie (AGO) für den Bereich Mamma berufen.


PD Dr. med. Uwe Liebchen, München

Infektiologie

Abstract

Auf der Intensivstation wirken Antiinfektiva bei jedem Menschen unterschiedlich, weil Faktoren wie Organfunktion, Gewicht oder Krankheitsschwere stark variieren. Mit Therapeutischem Drug Monitoring (TDM) misst man den Medikamentenspiegel im Blut und passt die Dosis an. Neuerdings werden zunehmend pharmakokinetische Modelle genutzt, die viele individuelle Faktoren einbeziehen. Beim sogenannten Bayesian Forecasting werden TDM-Daten und Modellrechnungen kombiniert, um schon früh und sehr genau die passende Dosis vorherzusagen. So erreicht man schneller wirksame Spiegel, vermeidet Nebenwirkungen und verbessert die Behandlung schwerer Infektionen. 

Lebenslauf

PD Dr. med. Uwe Liebchen ist Oberarzt für Anästhesiologie and der LMU München und Leiter einer Arbeitsgruppe für Populationspharmakokinetik in Anästhesie und Intensivmedizin. Er forscht und publiziert seit Jahren zu Therapeutischem Drug Monitoring (TDM) und modellbasierter Individualisierung von Antiinfektiva. Durch zahlreiche klinische Studien, internationale Vorträge und die Anwendung von Bayesian Forecasting in eigenen Projekten verfügt er über fundierte wissenschaftliche und praktische Expertise, um evidenzbasiert und praxisnah zu diesem Thema zu sprechen.


Prof. Dr. med. Philip Raake, Augsburg

Kardiologie

Abstract

Kardiovaskuläre Erkrankungen zählen weiterhin zu den größten Herausforderungen in Prävention und Therapie. Im Vortrag erhalten Apothekerinnen und Apotheker ein kompaktes Update zu zentralen kardiologischen Indikationen: Koronare Herzkrankheit, Herzklappenerkrankungen, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern. Dabei stehen aktuelle medikamentöse Strategien ebenso im Fokus wie interventionelle Therapieoptionen. Ziel ist es, praxisrelevantes Wissen für die Beratung und die Arzneimitteltherapiesicherheit im Apothekenalltag zu vermitteln und die Rolle der Apotheke im interdisziplinären Behandlungsteam zu stärken.

Lebenslauf

Prof. Dr. Med. Philip Raake ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie mit den Zusatzbezeichnungen Intensivmedizin und Transplantationsmedizin. Es ist zudem Experte für fortgeschrittene und terminale Herzinsuffizienz. Er war von 2018 bis 2022 leitender Oberarzt in der Inneren Medizin III (Kardiologie, Angiologie, Pneumologie) am Universitätsklinikum Heidelberg. Seit Juni 2022 begleitet er eine W3-Professur für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Kardiologie am Universitätsklinikum Augsburg. Außerdem ist er am gleichnamigen Klinikum Direktor der I. Medizinischen Klinik. 


Prof. Dr. med. Thomas Haak, Bad Mergentheim

Diabetes

Abstract

Die Behandlung des Diabetes mellitus durchläuft einen rasanten Fortschritt. Dieser ist für den Typ-2-Diabetes vor allem durch neue Pharmaka geprägt. Die Auswahl der Pharmaka basiert weniger auf der Behandlung der Stoffwechselstörung, sondern vielmehr auf der adäquaten Behandlung der Komorbiditäten wie kardiovaskuläre Schäden oder chronische Nierenerkrankungen. Neue Pharmaka adressieren erfolgreich die häufig vorhandene Adipositas. In der Pipeline befinden sich zahlreiche weitere Pharmaka mit noch besserer Wirkung oder einfacheren Anwendungsoptionen. 

Die Therapie des Typ-1-Diabetes wird vor allem durch technische Fortentwicklungen für Patienten und Behandler einfacher und erfolgreicher. Dabei spielen Glukose-Sensoren für die kontinuierliche Überwachung eine wichtige Rolle. Kombiniert mit Insulinpumpen existieren effektive automatische Insulin-Dosiersysteme (AID), die fast selbständig den Glukoseverlauf steuern und damit den Patienten entlasten. 

Lebenslauf

Prof. Dr. med. Thomas Haak ist Internist, Endokrinologe und Diabetologe. Neben seiner klinischen Tätigkeit am Universitätsklinikum Frankfurt am Main und dem Diabetes Zentrum Mergentheim war er Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft und Tagungspräsident des Diabetes Kongress und der DDG Herbsttagung. Als Koordinator war er verantwortlich für die S3-Leitlinie THERAPIE DES TYP-1-DIABETES und arbeitete bei zahlreichen weiteren Leitlinien-Projekten der Deutschen Diabetes Gesellschaft mit. 


Prof. Dr. med. Dipl.-Phys. Matthias Riepe, Ulm

Demenz

Abstract

Dementielle Erkrankungen belasten Patienten und Angehörige. Die Alzheimer-Erkrankung ist im Alter die häufigste Ätiologie eines Demenzsyndroms. Für die dementielle Entwicklung als Folge einer Alzheimer-Erkrankung sind seit kurzem zwei neue Therapien zur Modifikation des Krankheitsverlaufs verfügbar. Wie kann eine Abwägung von Wirkungen und Nebenwirkungen für den einzelnen Patienten gelingen? Wie ist die Wirkung der krankheitsmodifizierenden Therapien im Vergleich zu den symptomatischen Therapien zu bewerten?

Lebenslauf

Matthias W. Riepe ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie und hat die Zusatzweiterbildung Klinische Geriatrie absolviert. Er hat eine W3-Professur für Gerontopsychiatrie an der Universität Ulm und ist Chefarzt der Akutgeriatrie und Gerontopsychiatrie der Psychiatrie II der Universität Ulm am Bezirkskrankenhaus Günzburg. Seit 2022 ist er außerdem der Komm. Ärztl. Direktor der Psychiatrie II der Universität Ulm und der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm am BKH Günzburg. Er hat an den Demenz-Leitlinien der DGN und der DGPPN mitgearbeitet und ist Fachberater für Gerontopsychiatrie im Bezirk Schwaben.  


Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer, Augsburg

Polypharmazie

Abstract

Dieser Update-Vortrag beleuchtet neue Studien und Erkenntnisse bezüglich pharmakokinetischer und -dynamischer Arzneimittelinteraktionen. Hier spielen besonders klinisch relevante Verstärkungen von unerwünschten Arzneimittelwirkungen eine zentrale Rolle. Hierzu gehören Blutungsrisiken, QT-Zeit-Verlängerungen sowie anticholinerge Effekte. Ein besonderer Fokus liegt auf den Interaktionen in zentralen Indikationsgruppen, darunter der Onkologie und Psychiatrie, in denen komplexe Therapieschemata häufig unvermeidlich sind. 
Außerdem wird auf die 2025 ergänzten Beers-Kriterien, die eine wichtige Quelle zur Einschätzung der Polypharmazie in der Geriatrie darstellen, eingegangen. 
Zunehmend spielen auch Interaktionen in der klinischen Praxis eine Rolle, die über Veränderungen des Mikrobioms zustande kommen. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist die Immunonkologie. Des Weiteren wird der Vortrag sinnvolle Therapieergänzungen in Hinblick auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit thematisieren, sowie Datenbanken zur Unterstützung der Interaktionsprüfung vorstellen. 

Lebenslauf

Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer war bis 2023 Direktor der Apotheke des Universitätsklinikum Augsburg. Seit 2025 ist er in der Herrenbach-Apotheke in Augsburg tätig um Ärzte, sowie Alten- und Pflegeheime pharmakologisch zu beraten. Außerdem ist er Teil des pharmakologischen Konsiliardienst der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen im Bereich der Arzneimittelinteraktionen, der klinischen Pharmakologie, der Polypharmazie, der Antibiotikatherapie sowie der Pharmakoökonomie. 

Wissenschaftliches Komitee Update Klinische Pharmazie

Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer, Augsburg

Prof. Dr. Wolfgang Kämmerer war bis 2023 Direktor der Apotheke des Universitätsklinikum Augsburg. Seit 2025 ist er in der Herrenbach-Apotheke in Augsburg tätig um Ärzte, sowie Alten- und Pflegeheime pharmakologisch zu beraten. Außerdem ist er Teil des pharmakologischen Konsiliardienst der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen im Bereich der Arzneimittelinteraktionen, der klinischen Pharmakologie, der Polypharmazie, der Antibiotikatherapie sowie der Pharmakoökonomie. 

Prof. Dr. Jörg Brüggmann, Halle

Prof. Dr. Jörg Brüggmann hat Pharmazie in Frankfurt am Main studiert. Er war bis 2024 Chefapotheker der Zentralapotheke des Unfallkrankenhauses Berlin und hat derzeit eine Vertretungsprofessur für Klinische Pharmazie und Pharmakotherapie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er ist Dozent am pharmazeutischen Institut der FU Berlin für Klinische Pharmazie und nimmt außerdem einen Lehrauftrag für das Thema Digital Health im Masterstudiengang Arzneimitteltherapiesicherheit an der Universität Bon und der IB Hochschule Berlin wahr. 

Prof. Dr. phil. nat. Frank Dörje, MBA Erlangen

Prof. Dr. phil. nat. Frank Dörje ist Pastpräsident des Bundesverbandes Dt. Krankenhausapotheker e.V. (ADKA). Von 2010 bis 2016 war er Sprecher der Arbeitsgruppe der Ltd. Universitätsapotheker im Verband der Universitätsklinika Deutschlands (LAUD im VUD). Seit 2014 ist er Honorarprofessor für Pharmazie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und seit 2017 Mitglied der Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker. Hauptberuflich leitet Dörje seit 2001 die Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen. Abschlüsse als praktischer Betriebswirt für Pharmazie und als MBA Health Care Management runden sein Kompetenzprofil ab. 

Nadine Metzger, Tübingen

Nadine Metzger studierte Pharmazie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Sie ist Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie und Fachapothekerin für Arzneimittelinformation. Nach mehrjähriger Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke erweiterte sie ihr Profil und begleitet heute neben ihrer Anstellung in einer Apotheke auch eine Programmplaner-Stelle beim Deutschen Apotheker Verlag im Lektorat Pharmazie. Seit 2017 leitet Sie stellvertretend die Fachgruppe Allgemeinpharmazie der DPhG und vertritt seit 2020 als Vizepräsidentin die Offizinpharmazie im Vorstand der DPhG. Sie ist Mitautorin des „Formularium paediatricum“.